Entschuldigung für Genozid an den alevitischen Zaza
Der türkische Premierminister Erdoğan hat sich vorgestern (23.11.2011) im Namen des Staates für die Massaker von 1937 / 38 im Dersim (heute: Tunceli) entschuldigt. Damit macht die türkische Politik einen ersten Schritt zur Aufarbeitung der Geschichte der Republik.
Erdogan richtete seine Worte ausdrücklich an die Bevölkerung Dersims. In den deutschsprachigen Medien wurden die Dersimer und Dersimerinnen als alevitischen Kurden bezeichnet. Dieses Bezeichnung ist falsch. Es handelt sich um das Volk der Zaza. Eine Zuordnung als Untergruppe der Kurden ist etwa so, als würde man die Dän/innen oder Engländer/innen als Deutsche definieren.
Die Bevölkerung Dersims umfaßt religiös ca. 95% Alevit/innen, ethnisch ca. 75-80 % alevitische Zaza und ca. 20% alevitische Kurd/innen. Außerdem leben im Dersim alevitische und sunnitische Türk/innen sowie Armenier/innen. Bis zum Genozid an den Armeniern wurde dort auch armenisch gesprochen.
Die Volksgruppe der Zaza sind wie die Kurden und Perser ein iranisches Volk mit einer eigenständigen Sprache.[1] Aufgrund der türkischen Sprachpolitik ist diese Sprache von der UNESCO als gefährdet eingestuft. Da es den Zazas an politischer Macht fehlt, werden sie von anderen häufig zu den Kurden gerechnet oder für eigene politische Zwecke missbraucht.
In den Jahren 1937 / 38 geschah im Dersim ein geplanter Genozid. Die Region wurde entwaffnet, religiöse Führer und Mitglieder angesehener Familien wurden ermordert oder deportiert. Das Militär tötete Frauen, Kinder und Alte, ganze Dörfer wurden ausgelöscht. Inoffiziellen Quellen schätzen die Zahl der ermordeten Menschen auf 70.000, die Zahl der Deportierten auf 100.000.[2]
Wir wollen hiermit die deutschen Medien auf die drittgrößte Ethnie Anatoliens, die Zazas, aufmerksam machen.
Zaza Kulturhaus Mannheim – Bonê Kulturê Ma e.V.
Postfach 12 21 25
68072 Mannheim
25.11.2011